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Melanie Niesink half ihrem Mann Frank, einen Herzinfarkt mit Herzstillstand zu überleben: ‚Schnelle Wiederbelebung rettete seine Lebensqualität‘

20 January 2017

Freiwillige Ersthelfer retteten nicht nur sein Leben, sondern vor allem auch seine Lebensqualität. Als der 59-jährige Frank Niesink einen Herzinfarkt und gleich darauf einen Herzstillstand erlitt, war unmittelbare Hilfe gefragt. Dank der beherzten Reaktion seiner Frau Melanie, der Nachbarn und der freiwilligen Ersthelfer überlebte er den Anfall ohne allzu weitreichende Folgen. Er fühlt sich gut und seine Energie nimmt immer mehr zu. Melanie erzählt ihre Geschichte.

Hufeisen

Am Pfingstmontag 2016 bereitete Frank sich auf ein Heimspiel des Fußballvereins
„De Graafschap” gegen den „MVV Maastricht” in der Aufstiegsrunde vor. Während er oben seine Sachen packte, saß ich in meinem Arbeitszimmer und übersetzte einige Texte.
Plötzlich hörte ich nebenan im Flur etwas Schweres auf den Boden plumpsen. Gleich darauf vernahm ich das unverkennbare Geräusch des Hufeisens, das vom Schrank fiel. Ich rief eine Bemerkung herüber und erwartete eine schlagfertige Antwort, wie ich es von Frank gewöhnt bin. Aber dieses Mal blieb es beängstigend still. Kurz danach fand ich ihn auf dem Boden liegend, sein Kopf war gegen die Heizung gestoßen.

Notruf

Da es mir nicht gelang, ihn wieder zu Bewusstsein zu bekommen, geriet ich in Panik. Welche Nummer hatte nochmal der Notruf? Ich bin in England aufgewachsen und kenne von dort die 999. Als ich in die Niederlande kam, galt dort die 06-11. Aber wie war es jetzt? Ich konnte mich nicht mehr erinnern. Deswegen rief ich den Nachbarn an. Zusammen mit seiner Frau, die sich mit Wiederbelebung auskennt, eilte er sofort zu Hilfe. Unterdessen war mir wieder eingefallen, dass ich die 112 anrufen musste, und das tat ich auch sofort. Die Notrufzentrale setzte direkt über das „Stan The CPR Network” einen Notruf ab.

Freiwillige Ersthelfer

Vor unserem Haus hielt ein Auto, aus dem eine unbekannte Frau sprang, um die Wiederbelebung durchzuführen. Der Fahrer machte sich schnell auf den Weg, um einen AED zu organisieren. Wenig später trafen weitere freiwillige Ersthelfer ein, einige von ihnen mit einem AED. Auch der Tiernotdienst kam mit einem AED vorbei. Vier Menschen halfen, der Rest blieb auf Abstand, so dass sie sich nicht gegenseitig in die Quere kamen.

Blau angelaufen

Es sah gar nicht gut für Frank aus. Vor sechzehn Jahren hatte er schon einmal einen Herzinfarkt gehabt, von dem er sich gut erholt hatte. Aber jetzt schnappte er in höchster Not nach Luft und war ganz blau angelaufen, als der Krankenwagen ihn ins Krankenhaus Rijnstate in Arnheim brachte. „Einen Ballonkatheter und Stents setzen, das ist alles, was wir noch für ihn tun können“, waren die wenig optimistischen Worte, die wir zu hören bekamen.

Ein Fünkchen Hoffnung

In den Tagen nach dem Herzstillstand war Frank weiterhin nicht bei Bewusstsein. Er wurde 24 Stunden lang gekühlt und im künstlichen Koma gehalten. Dann schlug er ganz kurz die Augen auf. Doch die Ärzte brachten ihn schnell wieder in das Koma zurück, weil er aufgrund eines Deliriums sehr ängstlich und fast aggressiv reagierte. Nach weiteren 24 Stunden wurde das Schlafmittel abgesetzt, er wurde wieder wach und die Angst wich langsam einem Fünkchen Hoffnung. Sein Delirium hielt allerdings noch mehrere Tage an. Ab Samstag, also fünf Tage nach seinem Herzstillstand, war er wieder vollständig bei Bewusstsein und sein Gedächtnis war zurückgekehrt.

Aufgewühlt

Niemand von uns wagte zu hoffen, dass Frank überleben würde. Das „Stan The CPR Network” und die Nachbarschaftshilfe waren perfekt für uns, vor allem weil die Hilfe so schnell eintraf. Je schneller Hilfe da ist, desto geringer sind die negativen Folgen. Jede Sekunde zählt. Das Erlebte wühlte mich noch Monate später auf. Nicht nur der Patient ist betroffen, sondern auch seine ganze Familie. Ich habe das alles ja ganz bewusst erlebt und die Erinnerungen überfallen mich immer noch regelmäßig.

Opa und Oma

Unsere Tochter Elaine nahm Kontakt zu den Menschen auf, die die Wiederbelebung durchgeführt hatten. Wir haben sie zu uns nach Hause eingeladen. Als Dank für ihre tatkräftige Hilfe schenkten wir ihnen einen herzförmigen Stein. Und unserer Dank gilt natürlich auch all den Menschen, die kamen, deren Hilfe jedoch nicht benötigt wurde. Elaine hatte noch eine gute Nachricht. Während ihr Vater auf der Intensivstation lag, erfuhr sie, dass sie in froher Erwartung ist. Wir werden zum ersten Mal Opa und Oma…