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Coen Mol (47) überlebte Herzstillstand: ‚Es kann wirklich jeden treffen‘

20 January 2017

Noch nie hatte der 47jährige Coen Mol gesundheitliche Probleme gehabt. Bis er völlig unerwartet einen Herzstillstand erlitt. Als seine 14jährige Tochter Lotte ihn fand, lag er bereits im Sterben. Dank des beherzten Eingreifens seiner Nachbarinnen Saskia und Marjan lebt er noch. Coen ist sportlich und lebt gesund, raucht nicht, trinkt nur in Maßen und wiegt kein Gramm zu viel. Er weiß jetzt, dass es jeden treffen kann.

Notruf

An jenem Tag fühlte ich mich unwohl, als ich von der Arbeit kam. Ich legte mich darum im Schlafzimmer kurz hin. Kurz darauf hörte unsere Tochter Lotte, dass ich merkwürdige Geräusche von mir gab. Sie rief sofort ihre Mutter. Diese wählte zuerst den Notruf 112 und verständigte dann ihre Nachbarin Saskia van Niekerk, die sofort kam. Die Notrufzentrale schickte eine Alarmmeldung über das ‚Stan The CPR Network‘ an Ersthelfer heraus. Auf diese Meldung reagierte Nachbarin Marjan van de Ende. Binnen zwei Minuten kümmerten sich vier Damen um mein Schicksal.

Reanimation

Nach dem Anfall lag ich an einer Stelle, wo man mich unmöglich reanimieren konnte. Saskia konnte mich auch nicht bewegen. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich auf mich zu werfen. Gemeinsam mit der herbeigeeilten Marjan gelang es ihr, mich umzulagern, so dass sie mich wiederbeleben konnten.

Sechs Minuten

Noch bevor ein Ersthelfer mit AED eintraf, war der Rettungsdienst vor Ort. Der Krankenwagen kam innerhalb der kritischen sechs Minuten. Die Sanitäter schlossen mich an das Herzmassagegerät „Lukas“ an. Mit Hilfe von Feuerwehr und Polizei wurde ich kurz darauf mittels einer Hebebühne aus dem Haus geholt. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt immer noch einen sehr schwachen Puls. Es sah nicht gut aus.

Kritisch

Bei der Ankunft im Haga-Ziekenhuis in Den Haag war mein Zustand immer noch kritisch. Zum Schutz meiner Hirnfunktion wurde ich auf 30 Grad Celsius heruntergekühlt. Nach zwei Tagen wurde ich aus dem künstlichen Koma geholt. Es ist fast ein Wunder, dass ich keine bleibenden Schäden behalten habe. Bereits ein paar Wochen nach dem Herzstillstand ging ich aus therapeutischen Gründen wieder zur Arbeit. Nach ein paar Monaten setzte ich mich wieder aufs Rad und spielte Volleyball.

Saskia erzählte, dass sie vor allem die Angst quälte, welche Schäden der Herzstillstand angerichtet haben könnte. Es ging ihr sehr schlecht, weil sie mich ja gut kennt. Als sie hörte, dass ich meine Augen wieder geöffnet hatte, viel eine Riesenlast von ihr ab. Sie empfindet es als sehr positiv, dass sie nun weiß, wie eine Wiederbelebung geht. Sie kann darauf vertrauen, dass sie in solchen Situationen nicht in Panik gerät. Sie hat sich darum auch als freiwillige Ersthelferin angemeldet.

Spuren

Mein Herzstillstand hat bei meiner Frau und meiner Tochter mental gesehen viel tiefere Spuren hinterlassen als bei mir selbst. Ich kann mich an nichts erinnern, weder an den Anfall selbst noch an die Tage davor. Alles, was ich darüber weiß, weiß ich nur vom Hörensagen. Mein Anfall hatte auch noch eine sehr positive Nachwirkung. Denn aus diesem Anlass wurde in unserem Viertel ‚Druivenblok‘ ein Reanimationskurs veranstaltet. 52 Menschen nahmen daran teil und eine Vielzahl davon meldete sich im Anschluss als Ersthelfer. So sind bei Herzstillständen in Druivenblok in Zukunft immer genügend Ersthelfer in der Nähe.